Nächste Sitzung:
26.01., 18 Uhr c. t., Biozentrum N100 1.14
20 Jahre NoS – wir feiern Jubiläum!
Seit der ersten Night of Science am 29. Juni 2006 sind mittlerweile bereits (fast) 20 Jahre vergangen.
Nur durch das Engagement von immer wieder neuen Teams aus Studierenden war es möglich, dass sie sich zu dem entwickelt hat, was sie heute ist. Trotz aller Hindernisse dieser Zeit, egal ob Bologna-Prozess, Pandemie oder spontan abspringenden
Vortragenden, sind wir mittlerweile eine der größten studentisch organisierten Veranstaltungen unserer Art.
Wir sind aber nicht aus dem Nichts entstanden. Als Reaktion auf die geplante Wiedereinführung von Studiengebühren 2006 und inspiriert durch das Night Learning von 2003 fanden mit der ersten NoS Vorlesungen dann statt, wenn man sie
hören konnte, obwohl man arbeiten musste: nachts.
Der politische Kontext ist mit den Jahren in den Hintergrund gerückt, unsere Grundideen und die Motivation für unsere ehrenamtliche Arbeit sind jedoch gleich geblieben:
Wissen will frei sein und für alle zugänglich. Und wir sind stolz, unseren Beitrag zu leisten.
Unsere Leitfigur 2026: Grace Hopper
Grace Hopper, 1906 in New York geboren, war eine US-amerikanische Informatikerin und Mathematikerin, die als eine der bedeutendsten Pionierinnen der Computerwissenschaft gilt. Nach ihrer Promotion in Mathematik an der Yale University
trat sie während des Zweiten Weltkriegs der US Navy bei, wo sie am „Harvard Mark I“, einem der ersten elektromechanischen Computer, arbeitete.
Ihre wichtigste Leistung war die Entwicklung des ersten Compilers – eines Programms, das verständliche Programmbefehle in Maschinensprache übersetzt und damit die Grundlage der modernen Softwareentwicklung schuf. Zudem war sie maßgeblich
an der Entwicklung der Programmiersprache COBOL beteiligt, die bis heute in Wirtschaft und Verwaltung genutzt wird.
Trotz ihrer bahnbrechenden Arbeit erhielt Hopper zunächst wenig Anerkennung, da Frauen in der Informatik zu ihrer Zeit stark unterrepräsentiert waren. Heute gilt Grace Hopper als Symbolfigur für Innovation, Pioniergeist und die Rolle
von Frauen in der Wissenschaft.
Spotlight 2026: Informatik
Informatik ist im Vergleich zu vielen anderen naturwissenschaftlichen und technischen Fächern noch eine sehr neue Entwicklung und hat sich trotzdem seit der ersten Besetzung eines Informatik-Lehrstuhls in Deutschland in 1970 zu einer der fundamentalsten Disziplinen an Hochschulen und in der Gesellschaft entwickelt. Jeder besitzt irgendeine Form von Computer; sei es das eigene Smartphone für die Selbstorganisation oder das Highend-Gaming-Setup. All dies ist möglich durch Erkenntnisse der Informatik. Grob lässt sich diese in die drei Teilgebiete praktische, technische und theoretische Informatik unterteilen, welche sich natürlich alle gegenseitig beeinflussen.
Die praktische Informatik befasst sich mit Themen wie Programmierung und Betriebssystemen. Hier geht es darum, wie man Software (die Programme auf dem Computer) designt und entwickelt. Es werden z.B. immer neue Programmiersprachen erfunden, um bessere Software für bestimmte Anwendungen schreiben zu können. Dabei werden bestimmte Designentscheidungen getroffen, welche einem das Programmieren stark erleichtern und auch erschweren können, je nachdem was man macht. Neben Urgesteinen wie Grace Hopper’s COBOL wird heutzutage in vielen verschiedenen unterschiedlichen Sprachen wie C/C++, Rust oder Haskell programmiert. All diese haben ein anderes Design, welches sie für bestimmte Aufgaben besonders gut oder schlecht macht.
Die technische Informatik auf der anderen Seite hat die Entwicklung neuer Hardware (der physische Computer) im Fokus. Man betrachtet hier z.B. wie man Teile energieeffizienter gestalten oder sichere Netze von interagierenden Computern aufbauen kann. Ohne ersteres wären die AI-Zentren, welche jetzt schon unglaublich energieintensiv sind, undenkbar und ohne zweiteres jegliche Art von Bankgeschäft über das Internet. Entwicklungen wie das Integrieren von Computern in andere Technik wie Fahrzeuge oder das Schaffen von neuen Bauteilen wie Grafikkarten, haben fast jeden Bereich von Entertainment bis Logistik fundamental geprägt.
Das letzte Teilgebiet ist die theoretische Informatik. Diese befasst sich vor allem mit den mathematischen Grundlagen der Informatik und der Analyse von Algorithmen und Datenstrukturen. Ein immer relevanter werdendes Beispiel ist die Verschlüsselung von Daten in Zeiten von Quantencomputern. Mit diesen können dritte Personen klassische Datenverschlüsselung umgehen und sich so z.B. Zugriff auf über das Internet gesendete Daten verschaffen. Die theoretische Informatik liefert hier neue Algorithmen, die diese Daten auch vor Quantencomputern sicher machen und so auch Bankgeschäfte über das Internet auch in Zukunft möglich machen. Nicht nur kann die theoretische Informatik solche und viele andere Algorithmen für viele Probleme hervorbringen, sondern auch Werkzeuge bieten, um diese zu analysieren und am Ende zu vergleichen. So sind zum Beispiel Methoden gefunden worden, um diese Algorithmen unabhängig von der Hardware in ihrer Laufzeit (eine Art von theoretischer Geschwindigkeitsmessung) zu vergleichen. Wir können so Aussagen über die “Geschwindigkeit” von Algorithmen treffen, ohne sie auf allen unterschiedlichen Computern vergleichen zu müssen.
Auch ist die Informatik nicht nur als Selbstzweck interessant, sondern wird zunehmend in anderen wissenschaftlichen Fächern angewandt. Nicht nur wäre z.B. moderne mathematische oder physikalische Forschung ohne die Anwendung von Programmierung und Computern kaum vorstellbar, sondern auch viele Konzepte der Informatik finden in anderen Gebieten Anklang. In den Lebenswissenschaften z.B. werden informatische Werkzeuge wie Machine Learning oder andere Datenanalyse zum Untersuchen von Proteinsequenzen benutzt, aber auch das ökologische Zusammenleben von verschiedenen Lebewesen durch spieltheoretische Modelle modelliert und somit besser verstanden. Die Informatik hat durch ihre Methoden einen gänzlich neuen Zugang zu vielen klassischen Problemen hervorgebracht und hilft uns so, biologische Prozesse konkreter zu untersuchen.